Tierschutz in Serbien – ein täglicher Kampf ums Überleben
Eine Realität, die kaum jemand sehen will
Tiere und Tierschützer:innen haben es in Serbien schwer – sehr schwer. Gleichgültigkeit, Wegsehen und fehlendes Mitgefühl prägen vielerorts den Umgang mit leidenden Tieren. Für unzählige Hunde bedeutet das ein Leben voller Angst, Hunger, Krankheit, Missachtung und Schmerzen.
Wer versucht zu helfen, stößt nicht selten auf Ablehnung. Tierschützer:innen werden verspottet, ausgegrenzt oder bewusst ignoriert. Unterstützung aus der Bevölkerung ist selten, Rückhalt von staatlichen Stellen fast nicht vorhanden. Statt Schutz zu bieten, stellen sich Behörden häufig gegen jene, die versuchen, Leid zu lindern. Um unter diesen Umständen weiterzumachen, braucht es enorme seelische Stärke.
Der Alltag der Hunde: Kette, Straße oder Tod
Noch immer ist Kettenhaltung in Serbien weit verbreitet. Viele Hunde verbringen ihr gesamtes Leben angekettet, ohne Zuwendung, ohne tierärztliche Versorgung, ohne Hoffnung. Geld für Kastrationen oder medizinische Hilfe wird kaum investiert. Werden Tiere krank, alt oder „unpraktisch“, werden sie ausgesetzt – einfach entsorgt.
Die Folge ist eine unkontrollierte Vermehrung von Straßenhunden. Sie verhungern, erfrieren, werden krank oder Opfer von Gewalt. Obwohl es ein Tierschutzgesetz gibt, bleibt es meist wirkungslos. Verstöße haben kaum Konsequenzen. Für Tiere bedeutet das: Niemand schützt sie wirklich.
Hundefänger – Angst auf vier Pfoten
Straßenhunde werden oft brutal eingefangen. Mit Fangschlingen, unter panischem Geschrei, voller Angst. Sie werden in kleine, dunkle Anhänger ohne Wasser, ohne Futter, und ohne Tageslicht gepfercht. Kilometerlang fahren diese Fahrzeuge durch das Land.
Besonders im Sommer steigen die Temperaturen in den Transportern auf unerträgliche Werte. Viele Tiere überleben diesen Transport nicht. Sie sterben an Stress, Hitze und Erschöpfung, teils noch bevor sie ihr Ziel erreichen.
Tierheime als Endstation
Wer den Transport überlebt, landet häufig in Einrichtungen, die kaum diesen Namen verdienen. Enge, Dreck, Vernachlässigung und Gewalt sind keine Ausnahme. Manche dieser Orte werden sogar staatlich finanziert oder geschützt. Misshandlungen bleiben folgenlos. Für viele Hunde ist dies keine Rettung, sondern der Ort, an dem sie langsam zugrunde gehen.
Tierschutz ist kein „Ponyhof“
Der Tierschutz in Serbien ist mit erheblichen Belastungen verbunden. Häufig anzutreffen sind: vernachlässigte Hunde, unterernährte Tiere, ausgesetzte Welpen und Katzen sowie Fälle unsachgemäßer Haltung, etwa Kettenhaltung. Personen, die im Tierschutz tätig sind, werden regelmäßig mit solchen Situationen konfrontiert. Wer hilft, sieht all das und zwar jeden Tag.
Bedrohliche Gesetzespläne – ein Schritt zurück in dunkle Zeiten
Serbien hatte einst eines der fortschrittlichsten Tierschutzgesetze auf dem Papier. Doch Papier schützt keine Tiere. Nun droht eine dramatische Verschlechterung.
Geplante Gesetzesänderungen sehen vor, Straßenhunde massenhaft in Tierheime zu bringen und sie nach kurzer Frist zu töten, wenn niemand sie adoptiert. Doch Adoptionen finden kaum statt. Was das bedeutet, ist klar: ein systematisches Auslöschen von tausenden Hunden.
Welche Mittel dabei eingesetzt würden, ist unklar. Doch eines ist sicher: Ein armes Land wird keine teuren, tierschutzgerechten Lösungen wählen. Wer die grausamen Zustände aus Ländern wie Rumänien oder der Türkei kennt, weiß, was den serbischen Hunden droht.
Ohnmacht der Helfenden
Für die Tierschützer:innen vor Ort wäre das ein Albtraum. Schon jetzt sind sie am Limit – emotional, finanziell und räumlich. Sie könnten nicht noch mehr Hunde aufnehmen. Und sie müssten zusehen, wie Tiere getötet werden, die sie nicht retten konnten. Eine unvorstellbare Belastung.
Aktuelle Entwicklungen – die Lage spitzt sich zu
Mitte 2023: Hinweise auf die Wiederzulassung von Euthanasie und mögliche Tötungsstationen verdichten sich.
Anfang 2025: Diskussionen, Straßenhunde durch die Jägerschaft „regulieren“ zu lassen.
Mitte 2025: Ein neuer Gesetzentwurf verschärft alles weiter: Tiere gelten rechtlich als Sachen. Tötungen sollen auch ohne Tierarzt möglich sein. Behörden erhalten weitreichende Befugnisse. Tierversuche mit Straßenhunden werden erlaubt.
Kastration, das einzige nachhaltige Mittel, wird ignoriert.
Ein massiver Rückschritt. Eine Katastrophe für all die Tiere, die ohnehin schon keine Stimme haben.
Hoffnung durch Widerstand
Doch es gibt Menschen, die nicht aufgeben. Die protestieren. Die kämpfen. Die ihre Stimme für die erheben, die selbst keine haben. Eine Petition wurde gestartet, um gegen diesen unmenschlichen Gesetzentwurf vorzugehen: Petition gegen den Gesetzentwurf. (Stand: immer noch aktuell)
Nachtrag:
Wer glaubt, dass es den Katzen in Serbien besser ergeht, der täuscht sich gewaltig. Immer wieder erreichen uns Notfälle mit Hautproblemen, Verletzungen oder anderen gesundheitlichen Sorgen. Viele dieser Seelchen haben bereits Schlimmes erlebt: Sie sind unterernährt, verletzt oder krank und benötigen dringend medizinische Versorgung. Doch sie sind nicht allein: Für jede Katze wird liebevoll gesorgt und Dragica steht ihnen mit großem Herzen und unermüdlichem Einsatz zur Seite. (Stand: immer noch aktuell)
Tierleid und Tierschutz ist kein Ponyhof
Serbien vor einem Kurswechsel im Tierschutz: Risiken für Straßentiere
Im Jahr 2009 verabschiedete das serbische Parlament ein Tierschutzgesetz, das in seiner rechtlichen Ausgestaltung als fortschrittlich galt. In der praktischen Umsetzung blieb dieses Gesetz jedoch weitgehend wirkungslos. Inzwischen liegen Entwürfe für eine erneute Änderung der gesetzlichen Regelungen vor. Ein konkreter Zeitpunkt für deren Inkrafttreten ist bislang nicht bekannt.
Nach dem derzeit bekannten Gesetzesentwurf hätten die Änderungen erhebliche Auswirkungen auf Straßenhunde sowie auf die Arbeit von Tierschutzorganisationen in Serbien. Vorgesehen ist unter anderem, dass Straßenhunde verstärkt in kommunale Tierheime verbracht werden. Finden die Tiere innerhalb einer festgelegten Frist kein neues Zuhause, soll ihre Tötung erlaubt sein. Adoptionen von Hunden finden in Serbien aber nur in seltenem Umfang statt. Welche Methoden der Euthanasie eingesetzt würden, ist derzeit nicht bekannt.
Für lokale Tierschützer:innen würde dies voraussichtlich eine zusätzliche Belastung bedeuten. Viele von ihnen versorgen bereits eine große Anzahl von Tieren und verfügen nur über begrenzte räumliche und finanzielle Ressourcen. Die Aufnahme weiterer Hunde wäre für zahlreiche Organisationen kaum realisierbar. Gleichzeitig hätten sie nur eingeschränkte Möglichkeiten, auf behördliche Maßnahmen Einfluss zu nehmen. Gegen die geplanten Gesetzesänderungen gibt es Proteste, deren Wirkung bleibt jedoch ungewiss. (Stand: 06/2022)
Update (07/2023):
Im Bereich des serbischen Tierschutzrechts gibt es erneut Entwicklungen. Berichten zufolge wird eine grundlegende Änderung des bestehenden Gesetzes erwogen. Demnach soll die legale Euthanasie von Tieren wieder zugelassen werden, nachdem sie über Jahre hinweg verboten war. Zudem ist die Einrichtung sogenannter Tötungsstationen im Gespräch. Diese Pläne würden eine deutliche Abkehr von bisherigen Regelungen darstellen.
Update (02/2025):
Seit mehreren Jahren wird in Serbien über Maßnahmen zur Kontrolle der Straßenhundepopulation diskutiert. Am 07.02.2025 fand eine Sitzung des serbischen Landwirtschaftsausschusses statt, in der unter anderem erörtert wurde, ob die serbische Jägerschaft künftig in die Regulierung streunender Hunde einbezogen werden soll. An diesem Treffen nahmen keine Tierschutzverbände oder Organisationen teil, die zuvor in Arbeitsgruppen an alternativen Lösungsansätzen beteiligt gewesen waren. Diese Neuausrichtung ist untragbar.
Update (08/2025):
Ein neuer Gesetzentwurf sieht weitere Änderungen des serbischen Tierschutzrechts vor, die die Situation ausgesetzter und herrenloser Tiere erheblich verschlechtern würden. Das bestehende Gesetz, das in der Vergangenheit häufig als vorbildlich dargestellt wurde, soll in wesentlichen Punkten revidiert werden.
Der Entwurf sieht unter anderem folgende Regelungen vor:
- Tiere sollen rechtlich nicht mehr als schützenswerte Lebewesen, sondern als Sachen eingestuft werden.
- Die Tötung von Tieren soll unter dem Vorwand der „Verhütung und Bekämpfung“ von Infektionskrankheiten, einschließlich Zoonosen, erlaubt sein. Hierfür wäre nicht zwingend die Mitwirkung eines Tierarztes erforderlich.
- Kommunalverwaltungen und Tierheime erhielten weitreichende Entscheidungsbefugnisse über Maßnahmen bis hin zur Tötung von Tieren.
- Behörden könnten die Anzahl der in Privathaushalten gehaltenen Tiere begrenzen und entsprechende Reduktionsmaßnahmen anordnen.
- Privatpersonen könnten unter bestimmten Umständen Tieren Schaden zufügen, ohne strafrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen.
- Die Nutzung von Tieren zu Versuchszwecken wäre zulässig. Hiervon könnten auch streunende Tiere betroffen sein, die von der Straße eingefangen werden.
Der Entwurf setzt keinen Schwerpunkt auf Maßnahmen, wie flächendeckende Kastrationsprogramme, obwohl hierfür in der Vergangenheit auch EU-Fördermittel vorgesehen waren. Gegen den Gesetzentwurf regt sich Widerstand aus dem Tierschutzbereich. In diesem Zusammenhang wurde eine Petition gestartet, die sich gegen die geplanten Änderungen richtet.
Avenija MB – Überblick und Einordnung
Unternehmensprofil
Avenija MB ist ein privates Unternehmen mit Sitz in Serbien, das im Bereich der kommunalen Tierkontrolle tätig ist. Personen ohne vertiefte Kenntnisse des serbischen Tierschutzsystems sind mit diesem Unternehmen häufig nicht vertraut. Ursprünglich war Avenija MB im serbischen Unternehmensregister als Reinigungsfirma eingetragen und wurde später als Dienstleister im Bereich der Zoohygiene klassifiziert.
Das Unternehmen verfügt über Verträge mit mehr als 40 Gemeinden und ist damit beauftragt, freilaufende Hunde einzufangen und in das firmeneigene Tierheim zu verbringen.
Kritik an Arbeitsweise und Transparenz
Die Vorgehensweisen von Avenija MB sind stark umstritten. Insbesondere Tierschutzorganisationen kritisieren:
- die Methoden beim Einfangen der Hunde,
- den Transport der Tiere sowie
- die Unterbringung in den firmeneigenen Einrichtungen.
Vertreterinnen und Vertreter des serbischen Tierschutzes berichten zudem, dass ihnen der Zugang zu den Einrichtungen des Unternehmens regelmäßig verweigert wird. Eine transparente Dokumentation der Abläufe und des Verbleibs der Tiere liegt nicht vor.
Vorwürfe und Berichte zu Missständen
Es existieren zahlreiche Berichte über tierschutzrelevante Missstände. Diese haben bislang jedoch nicht zu nachhaltigen oder wirksamen behördlichen Maßnahmen geführt. Zudem wird von Tierschutzorganisationen bemängelt, dass viele der eingefangenen Hunde im weiteren Verlauf nicht mehr auffindbar sind.
Reaktionen des Tierschutzes und rechtliche Situation
Serbische Tierschutzorganisationen fordern seit längerer Zeit die Schließung von Avenija MB und organisieren in diesem Zusammenhang öffentliche Proteste. Strafanzeigen gegen das Unternehmen blieben bislang erfolglos oder wurden nur verzögert bearbeitet.
Aus Sicht vieler Tierschützer ist dies unter anderem auf die allgemein schwierige Situation im Land zurückzuführen, insbesondere auf unzureichende Kontrollmechanismen, strukturelle Defizite und politische Einflussnahmen. Die Leidtragenden dieser Situation sind vor allem die betroffenen Tiere.
Aktuelle Petition
Zur Forderung nach einer Schließung des Unternehmens sowie nach mehr Transparenz und rechtlichen Konsequenzen besteht eine weiterhin aktive Petition:
Petition gegen Avenija MB. (Stand: immer noch aktuell)
Sehenswerter Film
Wer sich ein persönliches Bild von den traurigen Zuständen der Tiere in Serbien machen möchte, der kann sich über eine Suchmaschine den Kurzfilm von "Tiere suchen ein Zuhause" vom 01.05.2022 und den Film "Life of a mutt" raussuchen und anschauen.
Bitte suchen Sie nach Straßenhunde in Serbien – Dokumentarfilm „Life of a mutt“ (Quelle: Life of a mutt).
Update:
Der Beitrag ist immer noch im Internet zu finden. Sehenswert! (Stand: 10/2023)
Tierschutz in Serbien: Zwischen Hoffnung, Leid und Engagement
Der Tierschutz in Serbien ist ein komplexes Thema. Es gibt dort viele engagierte private Helfer: innen und kleine Vereine, aber gleichzeitig große strukturelle Probleme, besonders bei Straßenhunden und Straßenkatzen.
Situation vor Ort
In vielen Regionen Serbiens leben sehr viele herrenlose Hunde und Katzen auf der Straße. Ursachen sind unter anderem:
- kaum flächendeckende Kastrationen;
- Aussetzen von Haustieren;
- geringe staatliche Unterstützung;
- schwache Durchsetzung bestehender Tierschutzgesetze.
Die Tiere müssen oft ohne medizinische Versorgung oder ausreichendes Futter leben. Besonders in ländlichen Gebieten fehlt häufig das Bewusstsein für Kastration und nachhaltigen Tierschutz.
Gesetzeslage
Serbien hat formal ein strenges Tierschutzgesetz. Darin wird anerkannt, dass Tiere Schmerzen und Leiden empfinden können. Das Problem ist laut vielen Organisationen jedoch die Umsetzung und Kontrolle.
Rolle privater Tierschützer
Ein großer Teil der Arbeit wird von kleinen privaten Initiativen getragen. Oft ehrenamtlich und über Spenden finanziert.
Kastration als Schlüssel
Fast alle seriösen Organisationen betonen: Ohne Kastrationsprogramme lässt sich das Problem langfristig nicht lösen. Viele Vereine finanzieren deshalb mobile Kastrationen oder Tierarztkosten.
Auslandstierschutz - Chancen und Kritik
Viele Hunde aus Serbien werden nach Deutschland vermittelt. Das wird unterschiedlich bewertet.
Positive Aspekte:
- einzelne Tiere bekommen sichere zuhause;
- medizinische Versorgung;
- Aufmerksamkeit für das Problem.
Kritikpunkte:
- einige Vereine arbeiten unseriös;
- Hunde sind manchmal schlecht sozialisiert;
- neue Halter unterschätzen Verhaltensprobleme;
- deutsche Tierheime fühlen sich teils überlastet.
Halter berichten sowohl von sehr positiven Erfahrungen als auch von Problemen mit Angstverhalten, Krankheiten oder unklaren Angaben der Vereine.
Woran man seriöse Vereine erkennt
Wenn Sie selbst adoptieren oder spenden möchten, sollten Sie auf Folgendes achten:
- § 11-Genehmigung in Deutschland;
- transparente Vermittlungsverträge;
- nachvollziehbare Impf- und Gesundheitsdaten;
- Pflegestellen in Deutschland;
- ehrliche Beschreibung der Tiere;
- Fokus auf Kastration statt „Massenvermittlung“;
- eingetragener, gemeinnütziger Verein. (Stand: 05/2026)
Hinweise zu Spenden
Das ZDF veröffentlichte eine Reportage über sogenannte „Fake-Retter“, die unter dem Vorwand der Tierrettung gezielt Spenden einwerben, jedoch nicht im Sinne des Tierschutzes handeln. Ein Beispiel aus Uganda verdeutlicht, wie Emotionen ausgenutzt und Spenden missbräuchlich verwendet werden können.
Auch in Serbien existieren Fälle unseriöser Retter. Aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Situation und der geringen staatlichen Kontrolle können auch dort Spendenmissbrauch und unzureichende Versorgung vorkommen.
Daher wird empfohlen, sich vor einer Spende umfassend über die jeweilige Einzelperson bzw. Organisation zu informieren. (Stand: 08/2025)